Politik vs. Ballerspielchen

9. Juli 2008

Was passiert wenn man einem Kind ein Spielzeuggewehr in die Hand gibt?

Es schießt, es spielt Krieg.

Was passiert wenn man einem Jugendlichen eine Spielzeugwaffe gibt?

Er raubt den nächsten Supermarkt aus.

Logisch? Sicherlich nicht. Überspitzt dargestellt.

Aber wenn ich diese Argumentation nicht anführen darf, mit welchem Recht fordern deutsche Politiker die Altersgrenze für Computerspiele längst überschritten haben, ein Verbot von „Killerspielen“ zum Schutz der Jugend?

Menschen die keine Ahnung vom Thema haben und sich durch Vorträge informieren, was in den betreffenden Spielen passiert, treffen Entscheidungen, die ihnen nicht obliegen.

Den Gedankengang in den Köpfen unserer Spezialisten lässt sich ganz genau folgen:

Pistole = böse, tötet Menschen.

Handgranate = böse, tötet ebenfalls Menschen.

Taktik = egal, den Spielern gehts um Gewalt.

Teamplay = egal, die Gewalt zählt mehr.

Werden wir das erste Land, das Teletubbies als pädagogisch wertvoll ansieht aber jedes PC/ Video Spiel verbietet in dem Waffen verwendet werden?

Sicherlich werden brutale Szenerien dargestellt. Sicherlich wirkt die Grafik täuschend echt. Sicherlich werden Menschen getötet.

Aber es gibt vielleicht noch eine Variable die man bedenken sollte. Die menschliche. Was sind das für Menschen die aufgrund solcher Phantasiewelten abdriften und den Bezug zur Realität verlieren? Diese Spiele sind in diesen Menschen noch das geringste Problem. Kaputtes Elternhaus. Kaputtes Umfeld. 1001 mal in den Arsch getreten bekommen.

Menschen mit soviel Hass in ihrem inneren, dass es kaum noch fassbar ist. Selten etwas gutes erlebt. Das Ende der Nahrungskette. „Loser“ ums mit der Sprache unserer Generation auszudrücken.

Meinen die Männer im Anzug in Berlin und Bonn wirklich dass es solchen Menschen einen Riegel vorschieben würde, nur weil sie diese Spiele verbieten? Das würde keinen einzigen Amoklauf in Deutschland verhindern.

Aus folgenden Gründen: 1. Wenn jemand einsam ist und sich schon in die virtuelle Welt flüchtet, gibt es Mittel und Wege sich diese Sachen auf anderen Wegen zu besorgen. Verbot ausgehebelt. 2. Würde das Verbot die Sache noch interessanter machen und das Verbot ad absurdum führen. Weil was verboten ist und war, war schon immer anziehend für die Jugend. Das kennen wir alle.

Meiner Meinung ist die ganze Sache scheinheilig und falsch. Man fordert ein Verbot, nur um die Stimmen von tausenden aufgeregter Eltern für die nächste Wahl zu ködern. De Facto ist ein Verbot unmöglich, da nicht durchsetzbar.

Ein zweiter Faktor der zu beachten ist. Gewalt findet sich überall. Sei es nun zu Hause, was den Risikogruppen wohl eher zu Grunde liegt, in den Nachrichten in denen man die verbrannten, erschossen oder geköpften Körper von Menschen sieht. Es mag nur ein kurzer Ausschnitt sein, aber es reicht trotzdem. So etwas muss man nicht zeigen nur weil man drüber berichtet. und erst recht nicht um 6 Uhr Abends auf Pro7.

Die Medien reißen sich förmlich drum wenn es darum geht den Schuldigen für einen Amoklauf zu suchen. Auf sich selbst kommen sie dabei aber nicht. Der beste Schuldige: Killerspiele. Jeder Amokläufer hatte welche. Aber jeder Amokläufer aß auch Brot und Kuchen.

„Ballerspiele“ hat glaub ich jeder männliche Jugendliche im Alter von 14 – 20 zu Hause. Mich eingeschlossen. Ich hab sie zwar, nur zocken tu ichs nicht (mehr).

Ein Beispiel für fast perfekte Zensur ist der Abschiedsbrief von Emsdetten. Im Internet kursierte sein Brief. Und kaum eine Stunde später war die Seite abgeschaltet. Überall wo dieser Brief in voller Länge auftrat wurde er zensiert.

In den Medien wurde er nur gekürzt gezeigt. Und nur die Stellen die interessant zum Stimmungmachen waren. Die Zeilen die zeigten wie krank es angeblich in seinem Kopf aussah. Das kranke was er beschrieb war sein Umfeld. Es war eine Kriegserklärung an die Gesellschaft. Nichts anderes. Völlig ausser Acht gelassen was er wirklich wollte.

Hallo Bild, Hallo Süddeutsche, Hallo Fernsehen. Im Endeffekt habt ihr die Sache gut ausgeschlachtet. Und ihr macht immer weiter.

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5 Antworten to “Politik vs. Ballerspielchen”

  1. politikpest Says:

    “Ballerspiele” hat glaub ich jeder männliche Jugendliche im Alter von 14 – 20 zu Hause.

    Hehehe, bin seit Mai vierzig Jährchen alt, aber gelegentlich ballern macht doch immer noch Spass. Natürlich nur die englischen uncut-Versionen. Womit wir beim Punkt sind. In D. wird doch sowieso zensiert bis zum geht nicht mehr. D. hat dass härteste Jugendschutzgesetz weltweit. Was kommt als nächstes? Die vollständige Entmündigung des Bürgers?

    mfG.politikpest

  2. frankthefrog Says:

    Wer weiß wer weiß. Vll kommt demnächst nach der Norm für Gurken auch eine Norm wie Computerspiele auszusehen haben?

  3. politikpest Says:

    Hallo Frosch 😉 ,

    jetzt hast du meine grauen Zellen aber strapaziert. Aber ich hab es gefunden. Die zukünftige Norm für PC-Spiele. CBS, Ausgabe 03. 2008

    http://www.computerbild.de/artikel/cbs-Ratgeber-Kurse-Wissen-Jugendschutzgesetz-Was-sich-im-Sommer-aendern-soll_2328846.html

    http://www.computerbild.de/artikel/cbs-Aktuell-Politik-Vermischtes-Filme-und-Computerspiele-Bundeskabinett-billigt-Verschaerfung-des-Jugendschutzes_2102599.html

    „Weder Ministerin Ursula von der Leyen noch ihr Pressesprecher wollten sich zu dem Gesetzentwurf zitieren lassen. Die Formulierung bedeutet aber wohl, dass zukünftig nicht mehr nur die BPjM, sondern Richter auf Antrag von Staatsanwälten über Indizierungen entscheiden. Das kann heißen, dass beliebte und viel gespielte Actionspiele plötzlich vom E-Sport in die Illegalität abrutschen, wenn sie nur von einem einzigen Richter, der nicht einmal sachkundig sein muss, als jugendgefährdend eingeschätzt werden.“

  4. politikpest Says:

    Uuups, die Links sind ein bisschen lang.

    Hier nochmal in Kurzfassung, dann kannst die da oben löschen.

    http://shortlink.nospoon.net/137405441

    http://shortlink.nospoon.net/1771043336

    mfG. politikpest


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